Me – my selfie – and why?
Warum wir uns gerne mit VIP ablichten und ins Netz stellen? Vordergründig verständlich, aber welches Statement platzieren wir damit eigentlich?
Warum wir uns gerne mit VIP ablichten und ins Netz stellen? Vordergründig verständlich, aber welches Statement platzieren wir damit eigentlich?
Wie häufig begegnen uns in den Sozialen Medien Selfies mit VIPs. Warum lichten sich viele Menschen so gerne mit prominenten Interview-Gästen ab? Und warum zeigen sie sich damit voller Stolz der ganzen Welt? Und ich frage mich dann: Warum tue ich das eigentlich nicht?
Lange muss ich allerdings nicht nachdenken. Obwohl ich aus beruflichen Gründen nicht selten mit so genannten Very Important Persons (VIP) in Kontakt komme, verspüre ich dieses Bedürfnis nicht. Das hat nichts mit fehlender Wertschätzung gegenüber Persönlichkeiten wie Alice Schwarzer, Moritz Leuenberger, Christa Rigozzi oder Carla del Ponte zu tun. Vielmehr würde ich mich im Lichte dieser spannenden Menschen sonnen und mir eine Bedeutung geben, die ich nicht habe. Ausserdem glaube ich, dass ich meine Community mit solchen Bildern bloss langweilen und – Achtung – meine narzisstische Seite zum Ausdruck bringen würde.
Ich würde aus diesen Gründen davon abraten, Selbstmarketing auf den Meriten anderer zu betreiben, sich sozusagen mit fremden Federn zu schmücken. Vielmehr würde ich raten, spannende Geschichten zu erzählen (ihr Leben ist interessanter als sie denken), oder spannende Geschichten anderer zu teilen, auch anderen einen Platz zu schenken. Ich bin sicher: Wenn sie Sympathie- und Wertschätzungspunkte sammeln, kurz ihr Image polieren wollen, kommt diese Strategie langfristig besser an. Es sei denn, sie eifern Typen wie Donald Trump nach.
Aber natürlich und glücklicherweise ist jede und jeder frei zu entscheiden, wie er oder sie sich der Welt präsentieren möchte.
Apropos VIP: Für mich sind die wirklich Very Important Persons meine beiden Töchter. Wenn ich also ein Bild mit VIP und mir posten würde, dann mit ihnen – vorausgesetzt ich erhalte ihre Erlaubnis. Sie sind nicht nur meine Töchter, sondern auch die Repräsentantinnen der Nächsten Generation, die wir durchaus als VIP betrachten sollten: Sie treten an, um nichts weniger als unser aller Zukunft zu prägen.
Verwendung der Texte nur mit » Einverständnis der Autorin.